Léiffrawëschdag

Der Festbrauch von Léiffrawëschdag besteht aus der Anfertigung, dem Segnen, und dem Mitnachhausenehmen des Krautwësch am Festtag des 15. August (Mariä Himmelfahrt).

Traditionell werden seit vielen Jahrhunderten vor allem im ländlichen Raum am Vorabend der Feier von Léiffrawëschdag Kräuter, Getreide und Gemüse in Feld, Garten, Wald und Wiesen gesammelt und daraus Büschel gebunden: die „Krautwësch“. Die Zusammensetzung des Bündels und die Anzahl der verwendeten Kräuter, nach einem Wissen, welches von Generation zu Generation übermittelt worden ist, sind nicht einheitlich und manchmal von Ort zu Ort – und von Familie zu Familie - verschieden, wenn auch bestimmte Bestandteile immer wiederkehren. Viele der ausgewählten Kräuter wurden früher als Hausmittel gegen unterschiedliche Beschwerden genutzt. Die Anzahl der Kräuter soll dabei von symbolischer Bedeutung sein.

Das Einsammeln der Kräuter kann d alleine oder mit anderen geschehen, genauso wie das Bündeln zuhause oder im Freien an einem öffentlichen Ort, wenn zuhause kein Platz für eine größere Gruppe ist.

Das Segnen des Krautwësch, die sogenannte „Kräuterweihe“, geschieht während des feierlichen Hochamtes an Mariä Himmelfahrt (manchmal auch während der Vorabendmesse des eigentlichen Festtages). Die Menschen tragen die Kräuterwësche - mancherorts in feierlicher Prozession - zur Kirche und legen die zu segnenden Kräuterbündel am Fuße des Altars nieder. Zuweilen findet der Gottesdienst auf Léiffrawëschdag – Hochamt und Kräuterweihe – bei gutem Wetter auch im Freien statt. Zur Kräuterweihe benutzt der Priester eine spezielle Segensformel wie sie im Rituale niedergeschrieben ist, und besprengt anschließend die Krautwësch mit Weihwasser. Diese Segnung geschieht im Beisein und Mitwirken der vor dem Altar versammelten Gläubigen.

Nach der Festmesse nehmen die Leute die von ihnen angefertigten Krautwësch wieder nach Hause. Falls eine Privatperson oder ein Verein Krautwësche zum Verteilen angefertigt hat, können sich die Interessenten, die selbst keinen Wësch angefertigt haben, sich nun einen solchen besorgen, oftmals gegen eine freiwillige Spende für einen gemeinnützigen Zweck. Nach der Kräuterweihe gibt es anschließend oft noch ein geselliges Beisammensein mit gemeinsamen Trank oder sogar Speise.

Dem geweihten Krautbündel werden auch heutzutage noch Heilkräfte zugeschrieben. Vielerorts wird das Bündel in das Haus oder den Stall gehängt, um dadurch Haus und Hof, Mensch und Vieh, zum Segen zu werden und Unglück abzuhalten.

Die Tradition des Krautwëschsammelns und -bindens bringt jedes Jahr wieder die Gläubigen, die Natur Interessierten sowie Menschen, die altes Brauchtum weiterleben lassen wollen zusammen und stärkt somit die lokale Gemeinschaft und das Miteinander.


Der feste Ritus von Léiffrawëschdag – Jahr für Jahr am gleichen Tag, mit den gleichen Kräutern, dem gleichen Weihesegen, dem gleichen Mitnachhausenehmen des Wësch – vermittelt den Teilnehmern ein Gefühl von Identität und Kontinuität. Sie fühlen sich Verbunden mit der Natur und mit allen Menschen, die früher, jetzt und später überall auf der Welt diesen Brauch feierten, feiern, und feiern werden. Zugleich werden die Teilnehmer sich auch den historischen Veränderungen im Bezug zu Glauben und Leben der Menschen bewusst. Das Zusammenstellen des Wësch ermöglicht auch eine Erfahrung der kulturellen Vielfalt und der menschlichen Kreativität: ein Krautwësch ist jedesmal ein Unikat, schon allein deshalb, weil in der Natur keine Pflanze absolut identisch wie die andere aussieht. Das Bewusstsein für Natur und Umwelt bringt auch ein Bewusstsein sowohl für den Fortbestand als auch für den (Klima-) Wandel, sowie die Notwendigkeit einer Nachhaltigen Entwicklung mit sich, wollen wir die Freude von Léiffrawëschdag noch an zukünftige Generation weitergeben können.

Léiffrawëschdag ist am 29. Oktober 2020 auf das nationale Inventar des immateriellen Kulturerbes des Großherzogtums Luxemburg aufgenommen worden.

(Texte provisoire fourni par la communauté porteuse, traductions en cours)

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